Qualität

Eine Vielzahl an staatlichen und privaten Fachschulen bietet mittlerweile die Möglichkeit, sich zur LogopädIn ausbilden zu lassen. Neben der grundständigen Fachschulausbildung existieren zusätzlich Aufbau- oder Weiterbildungsstudiengänge, mit denen man (logopädiespezifische) Bachelor- oder Masterabschlüsse erwerben kann. Auch grundständige Studiengänge sind schon gestartet. Wir wollen Ihnen an dieser Stelle einen Einblick in unsere Gedanken zu einer qualitativ fundierten und hochwertigen Ausbildung und logopädischen Therapie an der Berufsfachschule ermöglichen und darstellen, welche Grundsätze wir diesbezüglich an unserer Schule verfolgen. Außerdem erhalten Sie die Möglichkeit, sich über unsere Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu informieren.

„Leitlinien“

Wir gehen davon aus, dass effektives Lernen und Arbeiten nicht nur aus Wissenserwerb und Leistungsabruf besteht. Spaß an der eigenen Tätigkeit, Interesse für die Lern- und Arbeitsinhalte sowie eine entspannte Alltagsatmosphäre spielen eine große Rolle dabei, ob geforderte Aufgaben als Last oder Lust empfunden werden. Deshalb verfolgen wir an unserer Schule den Grundsatz, eine angenehme wertschätzende Lern- und Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die Raum für individuelle Entfaltungsmöglichkeiten sowohl für Studierende als auch Angestellte lässt. Gegenseitige Unterstützung und Würdigung von geleisteten Anstrengungen prägen unseren Umgang miteinander und sind uns auch einen erhöhten persönlichen Einsatz wert. Die hohe Leistungsbereitschaft unserer Studierenden, Lehrlogopäden und Dozenten gibt diesem Grundgedanken Recht.

Unterricht

Gesetzliche Vorgaben

Als staatliche Berufsfachschule in Bayern unterstehen wir dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Das bedeutet, dass uns neben der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Logopäden (LogAPro) auch die bayerische Berufsfachschulordnung nichtärztlicher Heilberufe (BFSO HeilB) vorliegt. Während die LogAPro bundeseinheitliche Richtlinien für die Ausbildung und Prüfung der Logopäden vorgibt, regelt die BFSO länderspezifische Besonderheiten zur Zulassung an bayerischen Schulen, Schulablauf, Leistungsnachweisen und Prüfungen. Sowohl Unterrichtsinhalte als auch Leistungsbewertungen sind somit eindeutig und nachweisbar geregelt. Als dritte Säule orientieren wir uns am bayerischen Lehrplan für die Berufsfachschulen für Logopädie. Dieser Lehrplan wurde auch von Lehrlogopädinnen unserer Schule mitverfasst. Im Lehrplan ist genau festgelegt, welche Fächer in welcher Reihenfolge in den einzelnen Ausbildungsjahren unterrichtet werden. Der Aufbau ist so gewählt, dass Studierende Inhalte auch fächerübergreifend verknüpfen können und ein Wissenstransfer erleichtert wird. Der logopädische Unterricht kann deshalb auf theoretisches Wissen anderer Fächer aufbauen, dieses erweitern und damit optimale Grundlagen für Diagnostik und Therapie schaffen. Außerdem gewährleisten wir, dass alle gesetzlich vorgeschriebenen Fächer unterrichtet werden.

Lehrpersonal und Unterrichtsinhalte

Der Unterricht an unserer Schule erfolgt durch das interne Lehrlogopädenteam sowie externe Dozenten. Als staatliche Schule an einer Universität sind wir stolz darauf, hochqualifizierte Fachkräfte zu unserem Lehrpersonal zählen zu können (z.B. Ärzte des Universitäts- und Bezirksklinikums, Psychologen, Pädagogen, Linguisten, Logopäden). Unsere Dozenten unterrichten ihr Fach in der Regel auch anderweitig (z.B. an der Universität) oder sind in diesem praktisch tätig. Der theoretische Unterricht wird dadurch in unterschiedlichsten Bereichen durch Exkursionen oder Einblicke in die praktische Arbeit bereichert.

Das Lehrlogopädenteam der Schule hat sich zum Auftrag gemacht, auch als nicht-akademische Ausbildungsstelle ein fachliches Niveau anzubieten, das sich mit Studieninhalten eines Bachelorstudiengangs vergleichen lässt. So werden in allen logopädischen Fächern neueste fachwissenschaftliche Erkenntnisse in den Unterricht eingebaut und weitervermittelt. Gleichzeitig ist uns wichtig, auch bewährte Theorien und Konzepte weiterzugeben. Wir wollen, dass die Studierenden eine handhabbare Grundstruktur aller diagnostik- und therapierelevanten Inhalte erkennen und für ihre spätere Tätigkeit nutzen können.

Pädagogische Qualifikation der Lehrkräfte

Das Lehrlogopädenteam der Schule hat sich auferlegt, eine grundständige pädagogische Zusatzqualifikation zu erwerben. Es geht uns nicht nur darum, stundenweise Zusatzwissen zu erwerben, sondern uns über einen längeren Zeitraum mit pädagogischen und didaktischen Fragestellungen zu beschäftigen. Damit richten wir uns nach den Qualitätsvorgaben des Berufsverbands der Logopäden dbl sowie des Bundesverbands deutscher Schulen für Logopädie BDSL. Für jedes Teammitglied ist festgelegt, in welchem Zeitraum diese pädagogische Weiterqualifikation zu erfolgen hat. Somit wollen wir gewährleisten, dass unsere Studierenden nicht nur fachlich einen hochwertigen Unterricht erhalten, sondern dieser auch pädagogisch und didaktisch sinnvoll und durchdacht aufgebaut ist. Diesbezüglich achtet jeder einzelne Kollege darauf, seinen Unterricht methodisch abwechslungsreich zu gestalten und dabei auch unterschiedlichem Lernverhalten gerecht zu werden. Eine regelmäßige Unterrichtsevaluation, in der die Studierenden Feedback zum Unterricht geben und ihre Wünsche einbringen können, erleichtert dieses Vorgehen. Auch der Austausch innerhalb des Lehrlogopädenteams über methodisch-didaktische Bedürfnisse der Kurse ermöglicht, das pädagogische Vorgehen immer wieder neu zu überdenken und den Erfordernissen anzupassen. Damit ist an unserer Schule bereits eine pädagogische Qualifikation etabliert, wie sie auf Hochschulniveau für dortige Dozenten zunehmend gefordert und angestrebt wird. Wir wollen nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern absichern, dass unsere Studierenden dieses verstehen, übertragen und anwenden können.

Um auch Außendozenten die Möglichkeit zu bieten, sich mit pädagogischen Fragestellungen zu beschäftigen, veranstalten wir regelmäßige pädagogische Konferenzen für alle Dozenten unserer Schule. Hierzu werden gezielt Fachkräfte zu einzelnen Themen eingeladen.

Von Regierungsseite erfolgen Unterrichtsbesuche, in denen die pädagogische Kompetenz der Lehrkräfte beurteilt und besprochen wird.

Praktische Ausbildung

Praktischer Unterricht

Um den Einstieg in die therapeutische Tätigkeit optimal vorzubereiten, enthält der logopädische Unterricht viele praxisbezogene Anteile, die eng mit den theoretischen Grundlagen verknüpft werden. Die Studierenden können so bereits im Unterricht erste praktische Erfahrungen sammeln und ihr methodisches Vorgehen für die Therapie üben. Die Übungen werden von den LehrlogopädInnen begleitet und im Anschluss reflektiert. Durch diese Form des Unterrichts wollen wir gewährleisten, dass die Studierenden über notwendige Voraussetzungen und Kompetenzen verfügen, wenn sie mit eigenen Therapien beginnen.

Therapien

Der bayerische Lehrplan regelt nicht nur den theoretischen Unterricht, sondern auch die Anzahl und die Verteilung von eigenen Therapien während der Ausbildung. Es ist uns sehr wichtig, dass die Studierenden unserer Schule alle vorgeschriebenen Therapien im Haus ableisten. Jede Therapie wird von einer LehrlogopädIn supervidiert und gemeinsam reflektiert. Für diese Reflexion steht ausreichend Zeit zur Verfügung, so dass vorzunehmende Veränderungen nicht nur angedacht, sondern ausführlich besprochen werden können. Auch die Planung der Therapie wird von den LehrlogopädInnen betreut und ermöglicht, etwaige Abänderungen bereits vor der Therapiestunde vorzunehmen. Insgesamt ist uns sehr wichtig, den Studierenden ihre Fähigkeiten und Ressourcen aufzuzeigen, damit sie diese für weitere Therapien nutzen und ausbauen können. Zusatzbesprechungen bei auftretenden Schwierigkeiten im Therapieprozess oder anderweitigen Bedürfnissen sind uns selbstverständlich. Wir wollen, dass die Studierenden ihre therapeutische Kompetenz in einem vertrauensvollen Rahmen entwickeln und entfalten können und sich hierbei unterstützt und gestärkt fühlen.

Gleichzeitig gewährleisten die LehrlogopädInnen durch kontinuierliche eigene Fortbildungen und die theoretische Auseinandersetzung mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass die Patienten Therapien auf fachlich hohem Niveau erhalten. Durch die Möglichkeit, viel Zeit für Reflexionen verwenden zu können, wird das therapeutische Vorgehen optimal auf den jeweiligen Patienten abgestimmt.

Externe Hospitationen

Während die praktische Ausbildung komplett an der Logopädieschule durchgeführt wird, vertiefen und erweitern die Studierenden zusätzlich ihre Kenntnisse während diverser Hospitationspraktika in Kliniken, Sondereinrichtungen und logopädischen Praxen. Durch diese Praktika erhalten die Studierenden auch einen Einblick in spätere Arbeitsfelder und in die „Therapie im Alltag“. Wir freuen uns, dass uns KollegInnen vor Ort durch ihre Bereitschaft, PraktikantInnen bei sich aufzunehmen, unterstützen. Gleichzeitig legen wir aber großen Wert darauf, dass diese Hospitationen kein Ersatz für die praktische Ausbildung an der Schule sind und PraktikumsbetreuerInnen keine Lehrfunktion übernehmen müssen.

Evaluation

Im Rahmen der Evaluation verschiedener Schultypen seitens des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung wurde im November 2005 die Regensburger Logopädieschule als eine der ersten beruflichen Schulen des Regierungsbezirks Oberpfalz evaluiert. Dazu besuchte ein Evaluationsteam die Schule, nahm an verschiedenen Unterrichten teil und verschaffte sich einen Eindruck über Schulorganisation und Schulablauf. Die Auswertung erfolgte anhand von Evaluationsbögen sowie Informationsgesprächen unterschiedlicher Personengruppen. Die Logopädieschule erlebte diese Qualitätsmaßnahme als eine Bereicherung ihrer pädagogischen Bemühungen. In diesem Rahmen wurde besonders auch die positiv empfundene Schulkultur hervorgehoben: „Die Schüler fühlen sich an der Schule wohl. Alle Beteiligten beschreiben das Klima an der Schule als angenehm und familiär. Der Umgang zwischen den Beteiligten an der Schule ist von gegenseitigem Respekt, hoher Wertschätzung und rücksichtsvollem Benehmen geprägt.“.

Ende 2014 wurde die BfS für Logopädie erneut durch das Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) evaluiert. Dabei wurden erneut u.A. die “Schulkultur” und z.B. die “Prozessqualität” des Unterrichts als “große Stärke” der Schule benannt. Die SchülerInnen seien “... mit der Schule, den Lehrkräften und vor allem mit ihrem Kurs sehr zufrieden. Sie beschreiben den Umgang an der Schule als familiär und von kurzen Wegen geprägt. ...”.

Qualitätssicherung in der Logopädieausbildung / Qualitätssiegel

Der Begriff der Qualität wird im heutigen Sprachgebrauch oft mit „Güte“ oder „Wert“ gleichgesetzt und befindet sich gerade auch im Zusammenhang mit der „Sicherung der Qualität“ in aller Munde.

Auch der Logopädie-Ausbildung wird im Rahmen eines durch den Deutschen Bundesverband für Logopädie e. V. (dbl) in Auftrag gegebenen Projektes zur Erfassung der Qualität regelmäßig “auf den Zahn gefühlt”. Die Entwicklung, Erhebung und umfassende Auswertung des Projektes erfolgt durch das Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Das Ziel der Erhebung besteht darin, anhand eines umfassenden Feedbacks, dem sogenannten Qualitätsbericht, die von der Schule gewährleistete Güte der Logopädieausbildung zu bestimmen und gegebenenfalls verbessern zu können. Für die Bestimmung der Qualität wird die sogenannte Indikatormethode verwendet. Dies bedeutet, dass verschiedene, für die Logopädie-Ausbildung relevante Kriterien definiert, operationalisiert und auf ihr Vorhandensein an der jeweiligen Schule untersucht werden. Beispielsweise wird die Qualität der an der Schule vorliegenden räumlichen Strukturen, der Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden und der Gestaltung der Lehre anhand verschiedener Konzepte überprüft. Als Datengrundlage werden unter anderem Fragebögen für Schulleitung, LehrlogopädInnen, SchülerInnen und PatientInnen verwendet. 

Unter der Voraussetzung, dass eine vorher definierte Anzahl an Qualitätskriterien durch die Schule erfüllt wird, erhält diese ein Qualitätssiegel. Die staatliche Berufsfachschule für Logopädie am Klinikum der Universität Regensburg hat sich um eine Evaluierung der Ausbildung im Rahmen dieses Projektes beworben und gemeinsam mit vielen deutschlandweit verteilten Berufsfachschulen für Logopädie an der Erhebungsrunde des Jahres 2008 und 2012 teilgenommen.

Die Logopädieschule in Regensburg bietet den Studierenden eine ausgezeichnete Qualität in der Ausbildung. Als Bestätigung hat sie 2009, wie auch in der Rezertifizierung im Jahr 2012 und 2016 das Qualitätssiegel des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie erhalten.

Berufspolitik

Schulpolitik

Als bayerische Berufsfachschule ist es uns wichtig, einem auch bundesweit geforderten Qualitätsstandard zu entsprechen. Aus diesem Grund hat unsere Schule 1999 zusammen mit 14 anderen deutschen Logopädieschulen den Bundesverband deutscher Schulen für Logopädie BDSL gegründet. Nur wer bestimmte Anforderungen zu Kriterien wie z.B. Schulausstattung, Ausbildungsinhalten und Lehrpersonal erfüllt, kann Mitglied im BDSL werden. Es ist für uns selbstverständlich, diesen Anforderungen kontinuierlich gerecht zu werden oder diese zu übertreffen. Außerdem stehen wir in regelmäßigem Austausch mit allen anderen bayerischen Logopädieschulen, um unter anderem berufspolitische bayernspezifische Themen zu bearbeiten

Akademisierung

Schon seit vielen Jahren setzen sich LogopädInnen und der Bundesverband für Logopädie dbl damit auseinander, in welcher Form die Ausbildung zur LogopädIn geregelt werden sollte, um den Anforderungen im logopädischen Berufsalltag gerecht zu werden. Die schnelle und kontinuierliche Weiterentwicklung wissenschaftlicher Grundlagendisziplinen, der steigende Bedarf an einer eigenständigen logopädischen Forschung, wachsende Qualitätsanforderungen seitens der Gesundheitspolitik und nicht zuletzt der Vergleich mit den Ausbildungsmodalitäten anderer europäischer Länder lassen Rufe nach einer Akademisierung der Logopädieausbildung lauter werden. Gleichzeitig gibt es in Deutschland andere (akademische) Berufsgruppen, die wissenschaftlich und sprachtherapeutisch arbeiten. Die Berufslandschaft ist dadurch sehr heterogen, ebenso die Ausbildungsmöglichkeiten und Bestrebungen bundes- oder länderpolitischer Gremien. Im Oktober 2005 haben zahlreiche Hochschullehrer eine Vereinheitlichung im Sinne eines Berufsgesetzes zum Beruf Sprachtherapeut / Logopäde gefordert. Für die Ausbildung wurde ein Modulkonzept erarbeitet, das den Harmonisierungsbeschlüssen zur europäischen Hochschulausbildung entspricht. Von politischer Seite ist bisher allerdings keine Entscheidung im Sinne einer Vereinheitlichung getroffen worden. Deshalb wird (zunehmend von privaten Ausbildungsstätten) versucht, eine Akademisierung im Sinne von Aufbaustudiengängen zur bestehenden Grundausbildung zu schaffen. Hierzu werden vor allem Bachelorstudiengänge angeboten. Auch eine grundständige Hochschulausbildung wird angestrebt.

Wir als nicht-akademische Ausbildungsstätte sehen, dass sowohl die Inhalte, die von unseren Studierenden in der Ausbildung gefordert werden als auch spezielle berufliche Arbeitsfelder einer LogopädIn eine akademische Ausbildung sinnvoll und notwendig machen. Diesbezüglich haben wir großes Interesse daran, unseren Studierenden die Möglichkeit eines akademischen Abschlusses anzubieten. Als besonders wichtig an einer Fachschulausbildung wie der Regensburger Schule empfinden wir den hohen praktischen Anteil der Ausbildung, der in einem grundständigen akademischen Studium seinesgleichen suchen dürfte. Wir befürworten deshalb eine Akademisierung im Sinne einer Erweiterung der bereits bestehenden Ausbildung und haben deshalb gemeinsam mit der Ostbayerisch Technischen Hochschule (OTH) einen ausbildungsintegrierenden Bachelorstudiengang Logopädie konzipiert. Siehe auch “Studiengang” und “Konzept”.